„Ich werde in Frankfurt sehr schnell laufen“

19. Oktober 2015
von

Lisa Hahner ĂŒber Ihr Comeback nach zwei schweren Verletzungen, Erinnerungen an ihren ersten Marathon-Auftritt am Main und Fußballtricks ĂĄ la Ronaldinho

Du hast Deine lange Verletzungspause genutzt und bist unter die Mountainbike-Artisten gegangen?

Ja, ich kann jetzt mit beiden RĂ€dern abheben und ĂŒber eine Wasserflasche springen. Es waren ja lange Monate, in denen ich nicht laufen durfte. Auch meine FußballkĂŒnste haben sich extrem verbessert. Einen alten Trick von Ronaldinho habe ich jetzt fast perfekt drauf.

Wie darf man sich nach Deinem ErmĂŒdungsbruch im Wadenbein die ersten Laufschritte vorstellen?

Der Wiedereinstieg nach der Verletzung war hart. Das Laufen war zunĂ€chst nicht mehr so, wie ich es kannte. Weil es ja leider nicht meine erste Verletzung war, wusste ich aber, dass ich ĂŒber diesen Punkt hinĂŒberkommen werde. Mit viel Geduld und Beharrlichkeit. In den vergangenen Wochen habe ich umso mehr das GefĂŒhl genossen, dass es von Trainingseinheit zu Trainingseinheit besser lĂ€uft.

Was macht Dich zuversichtlich, dass Du nach zwei Jahren wieder einen Marathon durchstehen wirst?

Weil es einfach lÀuft. Ich bin seit vielen Wochen gesund und beschwerdefrei und kann exakt nach Plan trainieren. Die Kurve ist steil nach oben gegangen.

Welche Erinnerungen verbindest Du mit Deinem letzten erfolgreichen Marathonrennen in Frankfurt 2013?

Sehr viele schöne Bilder. Ich denke in diesen Tagen sehr hĂ€ufig an das damalige Rennen zurĂŒck. Damals bin ich Bestzeit gelaufen und die Stimmung im Ziel war grandios. Ich liebe den Einlauf in die Festhalle und auch die AtmosphĂ€re am Streckenrand war super.  Ich wollte in diesem Jahr unbedingt zurĂŒck nach Frankfurt.

Ist es realistisch,  nun schon die Olympianorm von 2:28:30 Stunden in Angriff zu nehmen?

Ich werde in Frankfurt so schnell laufen wie ich kann. Ob die Zeit es in den Augen des DLV wert sein wird, dass ich in Rio starte, werde nicht ich entscheiden. Meine Ziel ist es, schnell zu laufen und mich um ein oder zwei Minuten im Vergleich zu 2013 zu verbessern. Das scheint mir sehr gut möglich.

FĂŒhlt es sich gerade wie ein Neustart Deiner Karriere an nach zwei verletzungsbedingt quasi verlorenen Jahren?

Nein, das wĂ€re zu hoch gegriffen. Es sieht auf den ersten Blick doof aus, dass ich zwei Jahre keinen Marathon mehr bewĂ€ltigt habe. Aber ich habe im FrĂŒhjahr 2014 und auch in diesem FrĂŒhjahr jeweils eine fast komplette Marathonvorbereitung absolviert, ehe die Verletzungen kamen. Es fĂŒhlt sich nicht so an, als ob ich ganz draußen gewesen bin.

Kannst Du Deine UnbekĂŒmmertheit und Freude am Laufen aufrechterhalten mit dieser Vorgeschichte mit zwei schweren Verletzungen?

Ich glaub schon. Ich freue ich mich gerade deshalb so megamĂ€ĂŸig auf Frankfurt, weil es fĂŒr mich das GrĂ¶ĂŸte ist, nach 42,195 Kilometern ĂŒber eine Ziellinie zu laufen.

Wie darf man sich die Zusammenarbeit mit dem wohl berĂŒhmtesten Marathontrainer Renato Canova vorstellen, der ĂŒber 100 Topathleten auf der ganzen Welt betreut?

Er schreibt uns unsere TrainingsplĂ€ne und wir stehen im stĂ€ndigen  Email- und Telefonkontakt. Wir nennen ihn Maestro, wenn wir ĂŒber ihn sprechen. Er kennt das MarathongeschĂ€ft vermutlich wie kein Zweiter. Er weiß auf jede Frage eine lange Antwort (lacht).

Wie sehr hast Du mit Deiner Zwillingsschwester Anna bei Ihrem Rennen in Berlin mitgefiebert.

Anna war in Berlin extrem fit und ich hĂ€tte ihr eine richtig krasse Zeit zugetraut. Schade, dass es – in AnfĂŒhrungsstrichen – nur eine 2:30:19 wurde. Ein Marathon bleibt ein Marathon – da kann alles passieren.

Welche Rolle wird Anna in Deinem Rennen am 25. Oktober spielen?

Ich fÀnde es cool, wenn Anna auf dem Fahrrad in Frankfurt unterwegs wÀre und mir die GetrÀnkeflaschen reicht.

Interview Mona Stockhecke

„Ich habe mich auf sportliches Neuland begeben“

Mona Stockhecke ĂŒber Ihr neues Leben in den USA, Ihren Spagat zwischen Vollzeitjob und Leistungssport und Ihre Ziele in Frankfurt am 25. Oktober

Mona, wir erreichen Dich in den Vereinigten Staaten. Bist Du ausgewandert?

Ich bin dank eines wissenschaftlichen MobilitĂ€tstipendium des Schweizer Nationalfonds seit Februar beruflich in den USA. Als Wissenschaftlerin an dem „Large Lakes Observatory“ der UniversitĂ€t von Minnesota in Duluth darf ich mich in den kommenden zwei Jahren damit beschĂ€ftigen, wie Klima- und UmweltverĂ€nderungen in Kenia und Äthiopien ĂŒber die letzten vier Millionen Jahre die menschliche Evolution und Migration nach Europa beeinflusst hat. Die Zusammenarbeit mit den europĂ€ischen, insbesondere Schweizer Kollegen und Instituten ist eng, so dass ich weiterhin beruflich in Europa sein werde.

Du trainierst also derzeit nicht mehr am Ufer des ZĂŒrich Sees, sondern an den Großen amerikanischen Seen?

Genau, am Lake Superior, dem grĂ¶ĂŸten der fĂŒnf Großen Seen. Wenn ich die Wellen und die großen Containerschiffe sehe, kommt es mir vor wie meine Geburtsstadt Hamburg. Die StrĂ€nde und Möwen erinnern mich dann aber eher ans Meer und meine Lieblingsinsel Sylt. Der Geruch und das Wasser fĂŒhrt mich gedanklich zu meiner Wahlheimat ZĂŒrich – wenn auch einem Ozean gleicht, es ist und bleibt halt ein unvergleichbarer See der hier den Alltag mitbestimmt.

Dein Herbstmarathon findet nun wieder in Frankfurt statt. Mit welchem Ziel wirst Du am 25. Oktober vor dem Messeturm an der Startlinie stehen?

Ich habe dieses Jahr sportlich eine rechte Holperpartie hinter mir, ausgehend von Komplikationen mit einer Nasennebenhöhlenoperation im Winter, gefolgt von einem Eisenmangel im FrĂŒhling. Es hat mich physisch wie auch psychisch gefordert, meine sportlichen Ziele weiterzuverfolgen, gerade weil ich mich parallel an ein neues Umfeld und eine neue Umwelt gewöhnen musste. Als ich im Sommer merkte, dass die Schlaglöcher auf der Piste tatsĂ€chlich geflickt waren und ein intensives Training erlaubten, konnte die Marathonvorbereitung beginnen. Diese verlief fĂŒr mich bisher nach Wunsch. Mein Ziel fĂŒr Frankfurt ist, dort anzuknĂŒpfen, wo ich im vergangenen Herbst aufgehört habe und eine neue Bestzeit zu laufen.

Wie bist Du umgegangen mit Deiner lange rÀtselhaften körperlichen SchwÀche?

Es war hart, die Vorbereitung nicht umsetzten zu können und anstatt Form zu erleben, mit MĂŒdigkeit und Abgeschlagenheit zu kĂ€mpfen. Wenn man nicht weiß, was los ist und sich dann in einem Gesundheitssystem befindet was eher einem Business gleicht anstatt der erstklassischen deutschen oder Schweizer Versorgung. Es dauerte alles sehr lange. Als die Eisen-Behandlung begann, war das Defizit einfach schon zu groß fĂŒr eine rasche Rekuperation. Hamburg abzusagen war auch rĂŒckblickend die richtige Entscheidung, da sich mein Blutbild nach dem Marathontermin trotz Behandlung erstmal noch verschlechterte bevor die Behandlung wirkte. Es dauert Monate bis sich das Blut und die EisenvorrĂ€te erneuern und das musste ich lernen zu akzeptieren. Ich brauchte viel Geduld und muss mir immer wieder sagen: Take it easy, cool bleiben und freu dich, dass es eigentlich ein kleines Problem ist. Laufen war nicht immer Fun in der Zeit. Klar, jetzt lasse ich meinen Eisenhaushalt regelmĂ€ĂŸig kontrollieren.

Was macht Dich zuversichtlich, dass Du nach Deiner Krankengeschichte in diesem Jahr Dein Leistungsvermögen abrufen kannst?

Es gibt da eigentlich drei GrĂŒnde. Erstens: Ich habe eine Marathonerfahrung mehr in Beinen und Kopf. Zweitens: Ich habe zwei Marathonvorbereitungen mit grĂ¶ĂŸeren UmfĂ€ngen und IntensitĂ€ten in diesem Jahr gemacht – auch wenn ich meinen FrĂŒhjahrsmarathon in Hamburg kurzfristig absagen musste, habe ichsumma summarum die Trainingsstunden in mir. Drittens: Meine Fortschritte in den vergangenen drei Jahren waren rĂŒckblickend einfach toll und ich rollte wie selbstverstĂ€ndlich von einem Ziel zum nĂ€chsten. RĂŒckschlĂ€ge waren mir als Athletin bis dato unbekannt. Die Situation, mit der ich mich in diesem Jahr auseinandersetzen musste, verlangte von mir, dass ich mich auf sportliches Neuland begebe und andere, sagen wir mal, Soft Skills zu entwickeln. Das stĂ€rkt bekanntlich.

Wie beurteilst Du Deine Chancen, in Frankfurt deutsche Meisterin zu werden?

Exzelltent! NatĂŒrlich bleibt Marathon ein Marathon und ich habe  großen Respekt. Wenn ich allerdings meinen Tag erwische, dann ist alles möglich.

Ist das Frankfurter Rennen nach Deiner Vorgeschichte ein besonders wichtiges, auch fĂŒr den weiteren Verlauf Deiner Karriere?

PrimĂ€r ist es eine Etappe auf meinem Weg. Das Rennen wird meinen Status quo aufzeigen, was maßgeblich fĂŒr die Planung in 2016 sein wird.

Hat sich Deine Doppelbelastung von Leistungssport und voller BerufstÀtigkeit in den USA verÀndert?

Die Erwartungen sind beruflich sicherlich nicht kleiner geworden und haben sich etwas verĂ€ndert. Allerdings hat auch der Sport in den USA und gerade an den High-Schools einen viel höheren Stellenwert. Die sportliche Infrastruktur an der Uni ist hervorragend. Da wird hier sehr viel Wert drauf gelegt und die Rahmenbedingungen vereinfachen es fĂŒr mich, Sport und Arbeit unter einen Hut zu bringen. Allerdings ist es nicht leicht, eine Trainingsgruppe auf meinem Niveau zu finden. Aber insgesamt sind die Leute hier sehr sport- und laufverrĂŒckt und die Natur um mich herum einladend. Mittlerweile komme ich jetzt langsam von Entdeckungs- und Orientierungsphasen zu dem Punkt, an dem das Normale das Neue ersetzt.

Wie sieht Dein Alltag aus?

Ich trainiere nach wie vor lieber nachmittags oder abends, obwohl auch die Morgenstimmung am See mit dem Sonnenaufgang hier ausgesprochen schön ist und ich mittlerweile regelmĂ€ĂŸig Doppelschichten einlege. So komme ich morgens vor 7 Uhr mitunter schon auf einige Kilometer. Im BĂŒro, das nur einen Kilometer von meiner Bleibe entfernt liegt, starte ich dann je nach Training zwischen 7 und 8 Uhr. Von der Arbeit aus gehe ich direkt trainieren, meistens gegen 18 Uhr.

Hast du mehr mit den Umstellungen zu kĂ€mpfen oder gibt Dir die neue Umgebung auch neue Impulse fĂŒr die Laufkarriere?

Definitiv sehe ich dank des kulturellen Unterschieds eine Vielfalt an neuen Impulsen. Neben einer neuen Umgebung ist es auch eine andere Herangehensweise und ein anderes System. Schon alleine die Laufstrecken hier zu entdecken ist klasse – durch die WĂ€lder, entlang des Seeufers oder zu WasserfĂ€llen. Auch die Trainings von den High-School-Teams zu verfolgen sowie an etlichen Feierabend-Fun-Runs teilzunehmen, gibt Impulse.

Eignest Du Dir etwas mit von dieser typisch amerikanischen Herangehensweise an? Nach dem Motto: NatĂŒrlich laufe ich heute Bestzeit, kein Zweifel.

Das trifft den Nagel auf den Kopf! Die Amerikaner tun das einfach und denken weniger darĂŒber nach, ob sie das auch können oder ob das jetzt gerade realistisch ist. Man feuert sich auch hier gegenseitig – oder auch sich selber –  ganz anders und viel mehr Begeisterung an. „Make it happen“ oder „just have some fun“ hört man viel öfter. Sie haben es irgendwie drauf, unsere eigentlich spielerische und neugierige Natur im Erwachsenenalltag nicht zu verlieren. Inwieweit es mich prĂ€gen wird, wird sich zeigen, aber sicherlich wird es meine Persönlichkeit nicht negativ beeinflussen.

Musstest Du dich von der ErnÀhrung her umstellen oder vermehrt aufpassen?

Hier in Duluth gibt es ein großes Bestreben, nachhaltig und umweltbewusst zu leben. Dazu gehören neben dem Ausbau von einem dichten Netz aus Fahrradwegen auch SupermĂ€rkte, die vom Standard-Wallmart-Programm abweichen und viel Wert auf ökologische und regionale Produkte legen. Somit bekommt man schon alle Lebensmittel, die man gewohnt ist. Allerdings ist eine gesunde ErnĂ€hrung mit viel Obst und GemĂŒse im Vergleich zu Fast-Food-Preisen sĂŒndhaft teuer. Im Sommer ist es weniger problematisch, da man zusĂ€tzlich auch, Ă€hnlich wie bei uns, auf WochenmĂ€rkten direkt vom Bauer kaufen kann. Im Winter möchte ich aber möglichst nicht mit Kartoffeln und Kohl ausharren.

Welche Rennen hast Du zuletzt in den USA bestritten und mit welchen Ergebnissen?

Ich habe bei vielen lokalen LĂ€ufen mitgemacht und diese oft in mein Training integriert. Dabei habe ich viele Streckenrekorde eingesammelt und den Jungs Feuer unterm Hintern gemacht. Der letzte internationale Lauf war der Garry Bjorklund Half Marathon im Juni wo ich 1:17:08 lief. Das war mein Neustart in 2015.

Welche Erinnerungen hast Du an Deinen letzten Marathonauftritt in Frankfurt 2014?

Umso mehr er zurĂŒckliegt, desto mehr denke ich: Wow! Dass es damals alles so astrein gelaufen ist und ich in der Lage war, mein Leistungsvermögen mehrmals im Jahr abzurufen, weiß ich immer mehr zu schĂ€tzen. Frankfurt war nach dem ZĂŒrich Marathon und den Europameisterschaften der dritte Marathon 2014 – und es war ein riesengroßes tolles Erlebnis.

PfunRun

Z

Schlagwörter



Allgemein

Kategorien