„Ich bleibe da, wo ich heimisch bin“ – Die BrĂŒder Audenzio und Alex Musci sind Wegbereiter des Erfolgs beim C-Ligisten Italia Weiterstadt

23. Oktober 2009
von Thomas Zöller

Es hĂ€tte nicht viel gefehlt, da wĂ€re die letztjĂ€hrige Fußball-D-Liga im Kreis Darmstadt ohne Italia Weiterstadt gestartet. Der Verein war erst am 5. Mai 2008 gegrĂŒndet worden und hatte quasi in letzter Minute die FormalitĂ€ten fĂŒr die Aufnahme in den Spielbetrieb erfĂŒllt. Nach dem Durchmarsch durch die unterste Klasse schickt sich der Club derzeit an, auch die C-Liga innerhalb einer Saison zu durchlaufen. Doch dies ist erst der zweite Schritt in einer Reihe ehrgeiziger Ziele des Vereins.

„Mein verrĂŒckter Bruder hat mich damals ĂŒberzeugt einzusteigen. Ich dachte gut, hĂ€ltst Du Dich eine zeitlang fit und unterstĂŒtzt die Jungs, ehe Du wieder etwas anderes findest“, erzĂ€hlt Audenzio Musci, der die Mannschaft gemeinsam mit Ricardo Mercury trainiert. Audenzio Musci? Etwa der, der vor acht Jahren beim SV Darmstadt 98 und spĂ€ter beim FC St. Pauli in der Regionalliga spielte? Genau der, und sein „verrĂŒckter Bruder“ heißt Alex, beide sind italienischer Abstammung.

Alex‘ sportliche Karriere verlief nicht ganz so erfolgreich wie Audenzios: Sie begann zwar verheißungsvoll in den Jugendmannschaften des SV Darmstadt 98 und Viktoria Griesheims, dann folgten jedoch mehrere Verletzungen und Alex kam ĂŒber Olympia Biebesheim, SV Weiterstadt oder die zweite Mannschaft des FSV Schneppenhausen nicht hinaus.

Am 22. April 2008 saßen er, sein Bruder Audenzio und Remo StĂŒmpel, der spĂ€ter, im Winter 2008/2009, vom SV St. Stephan zu Italia wechselte, zusammen und schauten sich in einem italienischen CafĂ© in Weiterstadt das Champions-League-Spiel zwischen FC Liverpool und FC Chelsea im Fernsehen an. „Da stellten wir fest, dass es im Umkreis doch einige gute italienische Fußballer gibt und dass es cool wĂ€re, wenn wir mit einer italienischen Mannschaft am Spielbetrieb teilnehmen wĂŒrden“, erzĂ€hlt Alex Musci. Gesagt, getan, zwei Wochen spĂ€ter grĂŒndete Alex den Verein, ĂŒberzeugte seinen Schwiegervater Hans-Joachim Durstewitz von der Kandidatur zum Vorsitzenden und holte Nino und Riccardo De Paola, Michele Russo und Nicola Ricci in den Vorstand.

Jener leitet nun die Geschicke des ambitionierten C-Ligisten und will in nicht allzu ferner Zukunft noch mehr erreichen: „Wir wollen in drei Jahren auf Augenhöhe mit Vereinen wie SV Weiterstadt, SV Erzhausen und FSV Schneppenhausen sein“, beschreibt Alex Musci die Ambitionen. An die GrĂŒndung einer zweiten Mannschaft und einer A-Jugend sei ebenfalls gedacht, fĂŒgt sein Bruder Audenzio hinzu. Bis dahin ist vielleicht auch ein eigener Sportplatz Thema, denn noch spielt und trainiert Italia auf dem GelĂ€nde des TSV Braunshardt.

Diese Konstellation war in der letzten Saison, zu gemeinsamen D-Liga-Zeiten, nicht ohne Probleme: Braunshardt rangierte fast wÀhrend der gesamten Saison auf einem Aufstiegsplatz und verpasste den Sprung in die C-Liga aufgrund einer hohen 0:8-Niederlage am vorletzten Spieltag. Der Gegner damals: Italia Weiterstadt. Mittlerweile seien die Wogen geglÀttet, meint Alex Musci, beide Vereine arbeiteten kooperativ zusammen.

Anfangs habe es von einigen Seiten Skepsis und Kritik gegenĂŒber dem „Projekt“ gegeben: „Wir Italiener hĂ€tten eine impulsive und hitzköpfige Art, damit wĂŒrden wir es nicht weit bringen. Es war sogar von Selbstzerfleischung die Rede“, so Alex Musci. Doch davon sei nichts zu spĂŒren. „Disziplin, absolute Disziplin“, lautet Audenzio Muscis Trainermotto, und dies bekamen in der Vergangenheit Spieler, die meinten, zu Terminen zu spĂ€t erscheinen oder im Training ein SchwĂ€tzchen halten zu können, zu spĂŒren. „Diese Spieler hĂ€tten uns sportlich sicher weiter geholfen, aber solch ein Verhalten wirkt sich ruckzuck negativ auf die ganze Mannschaft aus. Und so kommen wir nicht weiter.“ Dass im Schnitt ĂŒber zwanzig Spieler im Training seien, verdeutliche, dass die Mannschaft seine Botschaft – im ĂŒbrigen auch die seines Kollegen Ricardo Mercury, der die Mannschaft hauptverantwortlich trainiert – verstanden habe, so Audenzio Musci.

Bleibt die Frage, warum er, als 30-jĂ€hriger noch im besten Fußballer-Alter und mit seiner Erfahrung sicher auch anderswo gefragt, in der C-Liga kickt und trainiert. „Ich bin das einerseits meinen Kumpels schuldig. Sie waren in der schwierigen Zeit, als ich in Hamburg war und auch spĂ€ter, als ich ein halbes Jahr wegen eines Mittelfußbruchs pausieren musste, fĂŒr mich da. Und das gebe ich ihnen zurĂŒck“, erklĂ€rt der Ex-Profi. Andererseits bedeute es ihm viel, mit Italia Weiterstadt etwas aufzubauen: „Ich könnte durchaus zumindest in der Hessenliga spielen, aber es macht Spaß mit Italia und deswegen habe ich mir gesagt: Ich bleibe da, wo ich heimisch bin.“

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