Andrea Petkovic will Top Ten halten – Olympia mit Haas?

17. November 2011
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An der Wand hängen teilweise schon vergilbte Fotos einstiger Kreis-, Hessen- und sonstiger Meister. Dazwischen ein Bild von Andrea Petkovic von den US Open 2010. Noch farbenkräftig, aber doch aus einem schon fern scheinenden Karriereabschnitt der jungen Frau, die davor sitzt und über ihr rasantes Tennisjahr 2011 und Ziele für 2012 spricht. Beim TEC Darmstadt, wo sie vor 15 Jahren als kleines Mädchen von Papa Zoran die ersten Bälle zugespielt bekam, erzählte die Weltranglistezehnte am Mittwoch im Clubhaus vor etwa 30 Journalisten aus ihrem Leben.
Als habe jemand die Vorspultaste gedrückt, so seien ihr die zurückliegenden Monate bisweilen vorgekommen. Mit einer wilden Mischung aus sportlichem Erfolg und heiß diskutierter Verletzungsepisode stürmte sie in die Weltspitze und in den öffentlichen Fokus. „Als ich auf Position 150 stand, dachte ich immer: Wenn du mal Top 20 bist, wird alles einfacher. Jetzt stehe ich auf Zehn und das Gegenteil ist der Fall. Ich spüre schon die Nüstern der Gegnerinnen, die Anspannung ist eher doppelt so hoch“, sagt Petkovic, die gestiegene Aufmerksamkeit und Erwartungen positiv nutzen will: „Der Druck gibt mir immer noch mehr Antrieb.“
Um zum Beispiel dem großen Ziel näher zu kommen: einem Grand-Slam-Sieg. „Ich fühle mich noch nicht bereit und sehe schon noch einen großen Unterschied zu den Grand-Slam-Siegerinnen und den Top-Fünf-Spielerinnen. Aber es kann jeden Moment klick machen.“ Also, nichts scheint unmöglich im Tennisleben der Andrea Petkovic, die sich 2012 auch den olympischen Traum erfüllen will.
Und dann würde sie auch Thomas Haas gerne besser kennenlernen und vielleicht Mixed mit ihm spielen. Im Fedcup mit den ebenfalls rasant aufgestiegenen deutschen Kolleginnen erfolgreich sein, gehört ebenfalls zu den Wünschen für 2012. Und Andrea Petkovic will besser auf die Zeichen ihres Körpers hören. Der zeigte akute Stresssymptome. Hinter dem Meniskusanriss verbargen sich noch eine Reizung der Patellasehne und Wassereinlagerungen hinter der Kniescheibe, wie Untersuchungen ergaben. Sechs Wochen spielte Andrea Petkovic kein Tennis. Seit drei Tagen steht sie wieder auf dem Platz. „Mit einem Dauergrinsen“, wie sie selbst sagt, weil das Knie hält.
Sie will auch aufpassen, dass sie mit ihrem Dickkopf nicht über Grenzen geht. So wie sie es in diesem Jahr vielleicht schon getan hat. Trotz Knieproblemen weiterzuspielen sortiert sie als persönliche Emanzipation ein, „weil ich selbst entschieden habe, was richtig ist“. Entgegen der mehrheitlichen Meinung aus ihrem Umfeld. Steffi Graf wäre vielleicht eine, auf die sie hören würde. „Weil sie einfach eine ganze andere Erfahrung hat als Vater, Mutter oder Trainer. Ob ich auch wirklich machen würde, was sie sagt, ist eine andere Sache.“
Es ist eben alles möglich im Tennisleben von Andrea Petkovic, das sie noch maximal sechs, sieben Jahre führen wolle. Aber sie wollte ja auch mal in die Politik. „Und das ist jetzt überhaupt kein Thema mehr. Manchmal will ich auch Regisseurin werden, nur weil ich ein cooles Video gedreht habe“, erzählt die Südhessin, um zu dem Schluss zu kommen, dass Tennis eben doch die einzige Konstante in ihrem Leben sei.
Unverändert sei für die Weltreisende die Heimatverbundenheit. „Eine Woche zu Hause tut mir besser als alles andere“, erzählt Andrea Petkovic vom Familienleben im Reihenhaus in Griesheim. Wo nach ihrer Auskunft auch noch klassisch Heiligabend gefeiert wird, bevor es am 25. Dezember Richtung Australien geht, zum Start in die Saison 2012. Daran ändere auch das satte Preisgeldkonto wenig, das zwar vieles einfacher mache, weil man sich eben doch mal einen Lustkauf leisten könne. Mehr als ein Teppich in Istanbul sei diesbezüglich aber nicht zu vermelden. Den Trainingsalltag mit Schwerpunkt in Offenbach garniert Andrea Petkovic mit einer Einlage als DJ. Am 29. November will sie die Darmstädter Centralstation mindestens so in Schwung bringen wie das deutsche Frauentennis 2011.

Udo Döring

PfunRun

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