Daniel Schmoll und Horst Reichel sind die Langdistanzler im Carboo4U TuS Griesheim Triathlon Team. Daniel Schmoll blickt trotz seines noch jungen Lebensalters auf reichhaltige Erfahrungen auf der Langdistanz zurück, unter anderem war er 2008 Weltmeister in seiner Altersklasse. Horst Reichel absolvierte im letzten Jahr seine ersten beiden Rennen auf der Ironman-Strecke. In der Bundesliga Saison sind sie ein fester Bestandteil der Bundesliga Mannschaft. Es gibt also viele Gründe, bei den beiden“ Ironmännern“ einmal nach zu fragen. Zunächst das Interview mit Daniel Schmoll, Horst Reichels Antworten folgen zu einem späteren Zeitpunkt.
Ein kurzer Rückblick zum letzten Jahr:
Daniel, Du hattest ziemliches Verletzungspech. Sind alle Probleme behoben und kannst Du wieder voll trainieren?
Ich hab das letzte Jahr abgehakt. Die Verletzungsprobleme gehören der Vergangenheit an. Am letzten Samstag habe ich nach einem langsamen Neuaufbau die erste Tempolaufeinheit mit den Bundesligajungs auf der Bahn absolviert. Was die Saison 2010 angeht bin ich voll im Plan.
Wie sieht Eure Planung in Sachen Langdistanz für dieses Jahr aus. Daniel – Hawaii Quali?
Ich habe aus dem letzten Jahr viel gelernt und möchte meinen Körper nicht überbeanspruchen. Mein Studium liegt in den letzten Zügen und erfordert doch einiges mehr an Aufmerksamkeit, als in den letzten Jahren. Daher werde ich in diesem Jahr nur eine Langdistanz bestreiten. Dies wird aller Voraussicht nach der Ironman Regensburg sein. Hawaii ist in diesem Jahr kein Thema für mich. Im letzten Jahr habe ich feststellen müssen, dass ich im Bezug auf dieses Rennen im Pazifik erst einmal satt bin. Vier Jahre in Folge sind vorerst genug, auch wenn es sicherlich ein Ziel bleibt noch einmal die Qualifikation als Pro zu schaffen.
Daniel, Du warst 2008 Triathlon-Weltmeister Deiner AK. Hat sich das in irgendeiner Weise ausgewirkt? Sponsoren? Öffentliches Interesse an Deiner Person? Oder hast Du eher das Gefühl, dass es nicht wahr genommen wurde?
Nach dem Erfolg 2008 hat sich eigentlich nicht viel geändert. Ich habe einige Sponsoren gewinnen können mit denen ich zum Großteil noch immer zusammenarbeite. Ihre Unterstützung ermöglicht es mir, zumindest die Kosten, die eine Triathlonsaison mit sich bringt, zu decken. Den Sprung zum Vollprofi hat mir dieser Erfolg allerdings nicht geebnet.
Das öffentliche Interesse war im Anschluss schon relativ groß. Gerade in meiner Heimat Nordhessen wurde der Erfolg sehr gewürdigt. Bei der dortigen „Sportler des Jahres“ Wahl konnte ich hinter einem Bundesliga-Eishockey-Spieler und einem Regionalligafußballer den dritten Platz belegen. Das hat mir schon gezeigt, dass meine Leistungen Anklang in der Öffentlichkeit finden und hat mich riesig gefreut.
Viele Triathleten sind „Lebenskünstler“, weil sie nicht nur den Sport, sondern auch ihre Vermarktung selbst organisieren. Ihr zählt zu dem Kreise der „Selbstorganisierer“, nicht nur was das Sportliche betrifft, sondern weil ihr auch die Sponsorenakquise selbst organisieren müsst.Wie organisiert ihr Euch? Wie sieht es aus mit Partnern?
Als Lebenskünstler würde ich mich nicht bezeichnen. Ich habe das Glück, dass ich nach Hawaii 2008 einige verlässliche Partner gewonnen habe, die mich auch nach der „suboptimal“ verlaufenen letzten Saison weiter unterstützen möchten.
Den Großteil der organisatorischen Aufgaben erledige ich selber. Ich werde mich aber ab diesem Jahr zum ersten Mal auch einem neuen „Profiteam“ anschließen, welches mir geradein Sachen Material einen Teil der Sponsorenakquise abnehmen wird.
Ich finde es aber auch sehr wichtig den direkten Draht zu den Sponsoren zu haben. Zu den meisten meiner Unterstützer habe ich ein persönliches Verhältnis. Ich verstehe das Sponsoring als ein Geben und Nehmen.
Ralf Ebli hat 2009 einige gestandene Triathleten in eine teamübergreifende Griesheimer Trainingsmaßnahme eingeladen. Ihr habt zum Teil mit trainiert? Wie war die Stimmung? Könnt Ihr von der „Profis“ profitieren? In welcher Beziehung?
Man profitiert immer von einer starken Trainingsgruppe. Für mich war es damals der letzte Versuch, noch für den Ironman Hawaii 2009 in Form zu kommen, daher war ich sehr angespannt. Die Gruppe hat aber durch die sehr gute Stimmung dafür gesorgt, dass ich alles etwas entspannter gesehen habe.
Training in der Gruppe macht vieles einfacher. Gerade bei hohen Trainingsumfängen kann man sich leichter motivieren, wenn man eine funktionierende Trainingsgruppe hat. Eine Gruppe auf dem Niveau, wie sie damals war, bekommt man natürlich selten zusammen. Da ist man schon ein bisschen stolz darauf, ein Teil davon gewesen zu sein.
Wie ist das Verhältnis zu einem Star der Szene, beispielsweise Timo Bracht?
Timo habe ich bereits im Jahr 2000, damals waren wir beide Mitglieder im Eliteteam eines großen Sportladens, kennengelernt. Im Herbst 2008 hat uns Ralf Ebli dann für die Hawaiivorbereitung wieder zusammengebracht. Wir verstehen uns gut und gehen uns im Trainingslager auch nach 3 Wochen zusammen auf der Bude noch nicht auf den Geist.
Timo ist ein absoluter Perfektionist mit totaler Detailbesessenheit. Ich habe in unseren gemeinsamen Trainingslagern viel bei ihm abgeschaut, gerade was Trainingsanalyse und Auswertung angeht.
A propos Commerzbank-Tri Team: Ist das die Zukunft auf der Langdistanz?
Die Teamstruktur macht es den Sportlern in vielen Bereichen einfacher, ob sie allerdings das „Allheilmittel“ sein wird, muss sich noch zeigen. Ich finde, dass man als Triathlet immer noch ein gewisses Maß an Individualität erhalten muss; inwiefern dies in einem Team möglich ist, kann ich noch nicht richtig beurteilen. Ich trainiere gerne in guten Trainingsgruppen, weiß allerdings nicht ob ich mich dauerhaft einem Team unterordnen möchte.
Was macht für Dich den Reiz der Griesheimer Triathlonmetropole aus?
Der Umgang untereinander ist in Griesheim einzigartig. Ich habe noch nie einen Verein erlebt, bei dem der Zusammenhalt zwischen allen Leistungs- und Altersgruppen so groß ist wie in Griesheim. Ich trainiere sehr gerne im Vereinstraining mit allen zusammen.
Zu der guten Gemeinschaft kommen natürlich auch die guten Trainingsbedingungen vor Ort und nicht zuletzt die sehr guten Trainer.
Und deswegen startet Ihr dann auch für das Carboo4U TuS Griesheim Triathlon-Team?
Nach einem Jahr Auszeit in der Bundesliga bin ich wieder heiß auf kurze schnelle Rennen. Ich möchte die Rennen als Geschwindigkeitsreiz für die längeren Distanzen nutzen.
Dazu kommt, dass wir eine wirklich gute Gemeinschaft im Männer-Bundesligateam haben. Ich bin froh, ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein und möchte meinen Teil dazu beitragen, dass wir mit dieser Mannschaft möglichst weit vorne in der Liga landen.
Kurze, schnelle Rennen wie in der BL verlangen eine andere Trainingsvorbereitung als eine Langdistanz.
Wie geht das bei Euch zusammen?
Auch die Langdistanzen werden immer schneller. Die ersten 1500m Schwimmen im Ironman unterscheiden sich nicht viel von einem Bundesligarennen und auch auf dem Rad geht es in der ersten Stunde eher zu wie auf der Olympischen Distanz. Daher denke ich, dass mich die schnellen Rennen nur weiterbringen können.
Die Bundesliga-Mannschaft erreichte für einige überraschend am Ende den 5. Gesamtrang. Wo siehst Du das Team in der Saison 2010?
Das Team ist stärker als im letzten Jahr. Wenn wir verletzungsfrei durchkommen, werden wir für die eine oder andere Überraschung sorgen.
Welche Perspektive hat in Deinen Augen die BL? Was müsste passieren, damit sie für Sponsoren und Zuschauer interessanter wird.
Die Liga hat Potential, leider wird sie miserable vermarktet. Es kann keine Lösung sein, die Rennen in die „Großstädte“ zu bringen, wo sie dann morgens um 8Uhr auf freiem Feld ausgerichtet werden.
Die Starterfelder sind stark und die Rennen sind spannend – da sollte man in der Lage sein attraktive Rennen zur Ausrichtung zu finden.
Daniel, Dein bisher schönstes Rennen?
Es gab viele schöne Rennen. Letztendlich würde ich aber meinen ersten Ironman in Florida 2003 als mein schönstes Rennen bezeichnen. Das Gefühl diese Distanz zum ersten Mal bewältigt zu haben, ist durch nichts zu toppen.
Wenn Du auf einer langen Radausfahrt, sagen wir 150 KM, nur ein Lied immer wieder hören dürftest, welches würdest Du wählen?
Ich lasse mich im Training gerne durch Punkrock motivieren. Welches Lied ich allerdings 4 Stunden am Stück hören könnte, weiß ich nicht wirklich, würde aber bestimmt etwas von „Bad Religion“ sein.












