Laufen war das einzige Rezept. Denn wer auf der zugigen Lichtwiese lange stillstand, dem fuhr die Kälte durch Mark und Bein. Also war beim Darmstadt-Cross am Sonntagnachmittag Bewegung angesagt, auf und neben der Strecke. Was für über 960 Teilnehmer harter Wettkampf, ehrgeiziger Trainigszweck oder sportlicher Zeitvertreib darstellte, war für so manchen Zaungast wärmender Selbstschutz. Die 24. Auflage des Crosslaufs wuchs bei Temperaturen am Gefrierpunkt und bissigem Wind für Dauergäste zu einer frösteligen Herausforderung.
Da die angekündigten Niederschläge zunächst aber ausblieben, standen den Aktiven auf einer weitestgehend trockenen und damit schnellen Strecke ansonsten fast ideale Bedingungen zur Verfügung.
„Das war so, wie ich es haben will“, freute sich vor allem Sebastian Hallmann.
Der deutsche 10 000-Meter-Meister aus München, dem tiefes Geläuf weniger behagt, zeigte sich bei seinem Sieg auf der Männer-Langstrecke (9700 m) in 29:39,7 Minuten für die Europameisterschaft in Brüssel gerüstet.
Seiner Tempoverschärfung nach fünf der acht Runden war keiner der hochgehandelten Konkurrenten gewachsen. Cross-Meister Stephan Hohl (Huchenfeld) musste sich mit Rang fünf begnügen.
Das reichte aber, um den Gesamtsieg im dreiteiligen Deutschen Cross-Cup einzufahren, für den Darmstadt Höhepunkt und Abschluss bildete. Und das reichte wohl auch im Rennen um die EM-Tickets.
„Die ersten Fünf von Darmstadt werden vorgeschlagen“, kündigte Detlef Uhlemann als Disziplintrainer im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) an. Bei „überlegenen Siegerleistungen“ und den „üblichen Verdächtigen“ auf den vorderen Rängen gab es für Uhlemann keine Überraschungen.
Als Hoffnungsträger setzten sich Julia Viellehner (Passau), die sich mit ihrem Sieg auf der Frauen-Langstrecke (6700 m/23:16,8) auch den Gesamterfolg im Cross-Cup holte, sowie Thorsten Baumeister als dominierender Junior (8500 m/26:06,0) in Szene.
Als „fast schon zu einfach“, wertete der Trierer seinen Erfolg. Er hätte sich noch ein paar mehr von den Strohballen gewünscht, mit denen die Organisatoren vom ASC Darmstadt den Parcours erschweren wollten. Ansprüche für die EM wollte Baumeister daher nicht ableiten. Denn international wehe ein anderer Wind. In Brüssel werde nicht nur die Konkurrenz sondern auch die Strecke härter, kalkulierte Uhlemann.
Doch so mutlos wie früher präsentiert sich die deutsche Langlaufszene, vor allem angespornt von mehreren Marathon-Erfolgen, nicht mehr. „Es ist durchaus Potenzial da. So dass wir bei der WM 2009 in Berlin einige Überraschungen erleben können“, formulierte es Rüdiger Harksen (Mannheim), der als neuer Bundestrainer mit Herbert Czingon (Mainz) den bisherigen DLV-Cheftrainer Jürgen Mallow ablöst und am Sonntag erstmals beim Cross vorbeischaute.
Der Querfeldeinlauf gilt schließlich als gutes Rezept. Mehr Härte und Robustheit verspricht sich Harksen als Effekt für die Sportler. Qualitäten, die im internationalen Vergleich bitter nötig erscheinen. Gerade auch die starken jüngeren Jahrgänge – auf der Lichtwiese zuvorderst von Agata Straus (Potsdam) und Alexander Hahn (Leverkusen) als Sieger der A-Jugend verkörpert – sollen davon weiter profitieren.
Bei aller überregionaler Konkurrenz, die den Darmstadt-Cross weiter als Saisonhöhepunkt im Kalender führt, zeigte auch der südhessische Nachwuchs gute Ansätze. Ein starkes Rennen lief vor allem Clemens Kammer, der als schnellster A-Schüler (2500 m/7:43,3) aufhorchen ließ.
„Eigentlich sollte es nur ein Trainingslauf werden, aber dann ist es doch richtig hart geworden“, erklärte das Talent von der LG Reinheim-Roßdorf, das sich eigentlich auf kürzeren Strecken zuhause fühlt. Für die kommende Saison will er über 800 m um die Qualifikation für die U 18-EM laufen. Ein couragiertes Rennen bestritt auch Valerie Keppene (TSV Pfungstadt) als Vierte der A-Schülerinnen (9:04,2). Als Sieger der B-Schüler querte Alexander Cappel (MTV Urberach/8:21,9) die Ziellinie.
Doch mit den Läufern, die sich im Wettkampf stählen wollten, war es am Sonntag auf der Lichtwiese nicht getan. Schließlich würden über 900 Teilnehmer den Stellenwert des Darmstadt-Cross nicht nur in der Spitze, sondern auch in der Breite unterstreichen, freute sich Organisator Wilfried Raatz.
Davon konnte man sich auch zum Abschluss überzeugen. Denn da gingen die Jüngsten auf die Strecke und zeigten mit großen Feldern und offenkundigem Spaß an der Bewegung, dass Laufen gerade für sie das beste Rezept sein kann.













