HTLZ: Verheißungsvoller Wechsel auf die Zukunft

19. Januar 2009
von Thomas Zöller

DSW Darmstadt übernimmt und steuert Landesleistungszentrum des HTV – Ehrgeizige Ziele und gewichtige Paten.
Das Konzept klingt verheißungsvoll. Die Namen der Paten haben Gewicht. Die Finanzierung ist zu 90 Prozent gesichert – dank eines halben Dutzend Sponsoren. Die Regie verkauft das Hessische Triathlon Landesleistungszentrum unter den Leitmotiven starke Mannschaft, starke Partner, Teamgeist. Die Geburtsstunde des HTLZ am Samstag im Clubraum des tragenden Vereins, DSW Darmstadt, beendet ein Jahr harter Arbeit und voller Querelen, ehe aus der Vision der Strategen um Abteilungsleiter Guido Reisch das Projekt erstand.

Dafür opferte der Hessische Triathlon-Verband (HTV) den Landesstützpunkt beim Nachbarverein TuS Griesheim (seit acht Jahren) und entließ Landestrainer Gerald Reichart (Griesheim). HTV-Präsident Rolf Kather (Zwesten): „Die Leistungsbilanz war in den letzten Jahren stark rückläufig.“

Griesheim und Reichart fühlten sich gelinkt, der DSW bemängelte fehlende Konzepte, mangelhafte Förder- und Trainingsarbeit. Dazwischen stand der HTV, geplagt von Entvölkerung im Präsidium und finanzieller Not.

Der drittgrößte deutsche Landesverband mit knapp 5000 Mitgliedern, davon 2986 Startpass-Inhaber, bewegt einen Etat von 150 000 Euro. Davon fließen 60 000 Euro an den deutschen Verband und 45 000 Euro in Kader-Maßnahmen. Da bleibt kaum Spielraum für Mitgliederbindung und Nachwuchsimpulse.

Kather kam der Vorstoß von Reisch wie gerufen. Im April erteilte er ihm Vollmacht, das eigene Landesleistungskonzept zu vermarkten. „In sofern bin ich froh, dass der Guido den langen Atem hatte. Es war nicht immer einfach.“

Der Vertrag ist auf fünf Jahre geschlossen. 44 000 Euro per anno für das HTLZ decken zu 90 Prozent Sponsoren, was den Verband entlastet. Der konzentriert und lagert dafür Kernbereiche aus, behält aber die Kontrolle, Jugendförderung, Landeskader, medizinische Betreuung, Dopingprävention, Trainerausbildung (C-Trainer), Kurse und Seminare steuert das Zentrum Darmstadt.

Die Väter des Projekts wurden am Samstag nicht müde zu betonen, dass sich der DSW keine eigennützige sportliche und wirtschaftliche Plattform geschaffen hat. Kather: „Das HTLZ ist offen für alle Vereine und Athleten.“ Bernd Emanuel (Darmstadt), Rechtsberater und am 14. Februar Kandidat für Kathers Nachfolge im HTV-Vorsitz: „Wir laden jeden ein mitzuarbeiten und Verantwortung zu übernehmen.“

Die Besetzung aller HTLZ-Ämter mit DSW- oder vereinsnahem Personal hält der Jurist für legitim. Guido Reisch: „Es soll nicht nur der DSW sein. Wir präsentieren ein ganz neues Modell, das noch in keinem Bundesland da war. Wir wollen auch in die Breite gehen und uns in den Schulen etablieren.“

Als Landestrainer arbeitet ab 1. Februar Benjamin Knoblauch, einer von drei Bewerbern, darunter Vorgänger Gerald Reichart. Der Coach des DSW Darmstadt sammelte seit 1999 Trainer-Erfahrung, war Schwimmer und selbst Triathlet. Die A-Lizenz wie sein Vorgänger besitzt er nicht. Kather: „Der designierte Landestrainer ist Diplomsportlehrer, das ist eine große Qualität, darauf werden wir bauen.“ Zunächst im Probejahr, dann mit Jahresverträgen.

Benjamin Knoblauch © zoeller-media.net

Benjamin Knoblauch © zoeller-media.net

Knoblauch – zwei Drittel Lehrer-, ein Drittel Landestrainer-Stelle – stellt 2009 unter das Leitmotiv „Schule und Triathlon gemeinsam in Bewegung“. Landesweit möchte er Schulprojekte und Projektwochen mit Vereinen vor Ort anstoßen. Eine Talentfördergruppe soll am Schulsportzentrum Darmstadt (Georg-Büchner-Schule) wachsen. Die Förderung der Sportart durch das Kultusministerium bereitet er mit einen Trainingskonzept vor.

Kader-Arbeit wird flankiert mit gründlicher medizinischer Begleitung (Leistungs-, Gesundheits-, Muskelfunktionsdiagnostik) und Doping-Prävention. Rehabilitation und Regeneration soll die Zusammenarbeit mit einem Fitnessstudio (Body Culture) stärken, das kostenlos Räume und Geräte bereitstellt. Optimale Bedingungen für Triathlon in Darmstadt sollen Lehrgänge und Seminare unterstützen.

Die medizinische Betreuung der Kaderathleten übernimmt Klaus Pöttgen, Rennarzt beim Ironman in Frankfurt und medizinischer Leiter des Zentrums für Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit (BAD) in Darmstadt, zum Nulltarif (allein ein D- Kader-Athlet kostet den HTV im Jahr etwa 600 Euro). Die Trainerausbildung unterstützt Diplomsportlehrer Dieter Bremer, vom Hochschulsportzentrum in Darmstadt, ein Pionier in Hessen, der zugleich Trainingspläne im Triathlon entwickelte.

Die Geschäfte des HTLZ führt Dr. Wolfram Pejas, der Kurse und Seminare verantwortet. Er ist Veranstalter des Heinerman. Pejas hat erhoben, dass 70 Prozent der Aktiven bei Triathlon-Wettbewerben weder dem Verband noch einem Verein angehören: „Hier liegt ein unheimliches Potenzial brach, das wir ausschöpfen wollen.“

Das ehrgeiziges Programm steht erst auf dem Papier. Die Reaktion der 134 Vereine im HTV auf die Konzentration im DSW Darmstadt erschöpft sich bisher in Grummeln, Skepsis und Zurückhaltung. Bis auf zwei Nachfragen, die Rolf Kather erhielt, als er das Projekt in einem Brief begründete, gab es kein Echo.

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