Leah Malot vor fĂŒnftem Sieg in Darmstadt?

21. Juni 2010
von Thomas Zöller

Spagat zwischen Fußball-WM und Fitness-Test beim DarmstĂ€dter Stadtlauf – Tag der Leichtathletik am Sitz des Deutschen Leichtathletik-Verbandes mit DLV-BewegungsCamp und dem zweitĂ€ltesten deutschen Stadtlauf. Am 22. Juni geht es rund in der DarmstĂ€dter Innenstadt. Am Vormittag wird das DLV-BewegungsCamp am Luisenplatz Station machen, am Abend steht die 33. Auflage des Stadtlaufes auf dem Programm – fĂŒr Jung und Alt somit eine hervorragende Mitmachgelegenheit. „Darmstadt erlebt damit ein einmaliges Bewegungsfest, das mit Sprint, Sprung, Wurf und Lauf alle Facetten der Leichtathletik an einem Tag fĂŒr die Bevölkerung angeboten werden kann“, so David Deister, der Projektleiter des Deutschen Leichtathletik-Verbandes fĂŒr das BewegungsCamp. „Wir sind stolz, dass wir in Darmstadt diese außergewöhnliche Gelegenheit haben, Jung und Alt mit einer Vielzahl von Leichtathletik-Disziplinen zum Mitmachen anzusprechen“, ergĂ€nzt Wilfried Raatz, der Stadtlauf-Chef und Zweiter Vorsitzender des ASC Darmstadt. „Und das Besondere ist daran, dass dieser Leichtathletiktag mitten in der Innenstadt stattfindet!“

10 Module zum Mitmachen am Luisenplatz
WĂ€hrend am Morgen rund 1000 SchĂŒler der DarmstĂ€dter Schulen an insgesamt 10 Modulen ihre Fitness unter Beweis stellen können, steigt am Abend die LĂ€uferparty mit knapp 2000 Hobby- und FreizeitlĂ€ufern mit insgesamt acht Wettbewerben ĂŒber Strecken zwischen 1300 und 7 600 Metern.

Die leichtathletischen Grundelemente Laufen, Sprung und Wurf haben am DarmstĂ€dter Luisenplatz Hochkonjunktur: Beim Speed-Biathlon treten dabei mehrere Staffeln gegeneinander an und sprinten und werfen um die Wette. Beim Speerwurf wird auf einer Wurfanlage ein am Seil gefĂŒhrter Speer geschleudert, eine Luftkissenkonstruktion dient beim Weitsprung als Sprunggrube, wĂ€hrend beim Bungy Running auf einer Luftkissenkonstruktion im Duell gesprintet wird. Aber auch Geschicklichkeit ist gefragt. Zum Beispiel beim SMS-HĂŒpfen, bei dem es darum geht, auf einer nachgebauten Handy-Tastatur Begriffe durch Springen auf die entsprechenden Buchstabenfelder zu schreiben.

„NatĂŒrlich wird dieses eine große Herausforderung fĂŒr alle Mitarbeiter werden“, gesteht Wilfried Raatz, „doch ich bin mir sicher, dass es fĂŒr die Leichtathletik in Darmstadt und SĂŒdhessen wichtig ist, dass wir hier alle KrĂ€fte bĂŒndeln und Leichtathletik von morgens bis abends in der Innenstadt bieten können. FĂŒr mich ist Darmstadt die sportlichste Stadt, denn mit dem DLV-BewegungsCamp und dem Stadtlauf ‚bewegen’ wir ĂŒber 2 500 Menschen in den unterschiedlichsten Disziplinen der Leichtathletik!“ Drei der Module werden auch wĂ€hrend des Stadtlaufes zur VerfĂŒgung stehen, um auch den LĂ€uferinnen und LĂ€ufern die Möglichkeit zu geben, ihre Geschicklichkeit zu testen.

Zieht Leah Malot mit Charlotte Teske gleich?
Mit einem Drittel junger Lauftalente zwischen drei und fĂŒnfzehn Jahren geht es abends ab 19.00 Uhr weiter – und wird sein sicherlich wiederum furioses Finale nach 21.00 Uhr mit den beiden Elite-Rennen ĂŒber die gerade einmal 1000 m lange Stadtlaufrunde haben. Dabei steht die inzwischen 38jĂ€hrige Leah Malot vor ihrem vielleicht spektakulĂ€rsten Erfolg bei den inzwischen unzĂ€hligen StraßenlĂ€ufen hierzulande: Wenn die frĂŒhere Mannschafts- Cross-Weltmeisterin bei der 33. Auflage des legendĂ€ren Pizzalaufes, wie der DarmstĂ€dter Stadtlauf unter Insidern gerne liebevoll genannt wird, erneut als erste LĂ€uferin die Ziellinie am Luisenplatz ĂŒberquert, dann hĂ€tte sie den „Cup da Franco“ zum fĂŒnften (!) Male gewonnen. 1997, 1998, 2008 und 2009 hat Leah Malot bereits in Darmstadt gewonnen – mit dem fĂŒnften Sieg wĂŒrde sie ĂŒbrigens mit Charlotte Teske gleichziehen, der großen DarmstĂ€dter LĂ€uferin, die in den achtziger Jahren auf heimischem Pflaster fĂŒnfmal die Konkurrenz im Griff hatte.

Allerdings wird es kein leichtes Spiel fĂŒr die Kenianerin, die seit vielen Jahren auf allen Parcours der Welt zu Hause ist und dabei dem Afro-Sport-Management von Sylvia und Walter Abmayr die Treue hĂ€lt. Die Paderborner Osterlauf-Siegerin Fate Tola oder Leahs Landsfrau Caroline Chepkwony, die am Samstagabend den Kasseler Citylauf fĂŒr sich entscheiden konnte, werden alles versuchen, um ihrer berĂŒhmte Landsfrau den großen Triumph zu vermasseln. Die wenigen europĂ€ischen LĂ€uferinnen gehen (natĂŒrlich) chancenlos ins Rennen, zumal mit Petra Kaminkova der laufstarke tschechische Stammgast wegen der Vorverlegung des Stadtlaufes auf den Dienstagabend nicht rechtzeitig von ihrem Einsatz von den Mannschafts-Europameisterschaften anreisen kann. „Da wir nach wie vor keine Antrittsgelder bezahlen, haben wir natĂŒrlich unsere Chancen auf einen Start von leistungsstarken europĂ€ischen LĂ€uferinnen minimiert“, wirkt Stadtlaufchef Wilfried Raatz etwas resigniert. Aus eher anderen GrĂŒnden sind die Starts von Ingalena Heuck oder Julia Viellehner in Darmstadt gescheitert, Ingalena muss aus StudiengrĂŒnden passen, Julia ist erneut wegen Verletzung nicht einsatzfĂ€hig. „Aber nĂ€chstes Jahr komme ich!“ signalisierten die beiden unisono.

Witaly Shafar und Said Azouzi gegen die Kenia-Dominanz
Bei den MĂ€nnern trĂ€gt der Kenianer Patrick Kimeli die Nummer eins, denn er ist der Vorjahressieger. Der inzwischen 21jĂ€hrige darf sich allerdings auf einen harten Kampf ĂŒber die sieben Stadtlauf-Runden gefasst machen. Schließlich sind mit Daniel Chebii als (zeitgleicher) Zweiter des Paderborner Osterlaufes in 27:51 Minuten, dem 1:01-Halbmarathonmann Joseph Kiptum, der Kassel-Sieger Hosea Tuei oder John Mutai Kipkorir gleich vier Landsleute auf dem Sprung zum Sieg. Eine große Unbekannte ist der Äthiopier Bane Tola, der gute Bahnleistungen aufzuweisen hat, aber auch eine 1:01 Stundenzeit ĂŒber Halbmarathon rennen kann.

Von den (wenigen) weißen LĂ€ufern kann Witaly Shafar erneut eine wichtige Rolle spielen. 2006 war er bereits Vierter und Ă€rgerte dabei gleich ein halbes Dutzend Kenianer mit einem mutigen Tempolauf. Said Azouzi kennt Darmstadt bei seinem vierten Start allerdings ebenso, auch die mannschaftsdienliche Weise der Ostafrikaner, die den spurtstarken Marokkaner Jahr fĂŒr Jahr ausgetrickst hatten.

Doch der Stadtlauf ist (nicht ausschließlich) ein Eliterennen. Sondern vielmehr ein Laufspektakel fĂŒr die vielen Hobby- und FreizeitlĂ€ufer. Diese geben im Minutentakt den Rhythmus in der engen FußgĂ€ngerzone mit der legendĂ€ren Treppenpassage – und begeistern die Freude und Bekannte und das DarmstĂ€dter Sportpublikum. Aber es gibt auch hier Prominenz: So wird bei den Frauen ĂŒber 5000 Meter die Berglauf-Junioren-Vize- Europameisterin Kerstin Straub ihren letzten Test vor der Berglauf-EM Anfang Juli im bulgarischen Sapareva Banya bestreiten, auch die Triathlon-Bundesliga-und Berglauf-WM-Starterin Natascha Schmidt möchte in Darmstadt antreten. Das sind natĂŒrlich nur zwei von vielen lokalen GrĂ¶ĂŸen, die sich den Stadtlauf-Termin immer wieder gerne freihalten, auch wenn es wegen des WM-Kick der Deutschen gegen Ghana diesmal ein Dienstag ist. Immer mehr wird der DarmstĂ€dter Stadtlauf auch vom Teamgedanken geprĂ€gt, zahlreiche DarmstĂ€dter Unternehmen und Firmen aus der Umgebung haben den Stadtlauf fĂŒr sich entdeckt.

(wus-media)

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