Radklassiker traditionell gut besetzt: Fünf ProTour-Teams beim „Eschborn-Frankfurt City Loop“

12. März 2009
von Thomas Zöller

Das Team Milram führt am 1. Mai ein 19 Mannschaften starkes Teilnehmerfeld an. Der Name ist neu, die Tradition bleibt und damit das große Interesse am Frankfurter Radsport-Klassiker. „Auch wenn der Name jetzt „Eschborn-Frankfurt City Loop“ ist, bleibt das Traditionsrennen im Frankfurter Raum mit der leicht geänderten Streckenführung sowie der neuen Zielankunft für mich ein sehr bedeutendes Eintagesrennen in Deutschland“, sagt Milram-Kapitän Linus Gerdemann, der am 1. Mai mit seiner Mannschaft zu den Topfahrern zählt. Die einzig verbliebene deutsche ProTour-Mannschaft führt das 19 Teams starke Teilnehmerfeld an. Darunter natürlich auch das dänische Team Saxo Bank mit Vorjahressieger Karsten Kroon und den Brüdern Andy und Fränk Schleck aus Luxemburg. Das amerikanische T-Mobile-Nachfolgeteam Columbia, das in dieser Saison bereits sieben Siege einfahren konnte, hat sein Kommen avisiert. Die niederländische Mannschaft Rabobank und die belgische Equipe Silence-Lotto sind bereits seit vielen Jahren treue Gäste des bedeutendsten deutschen Frühjahrsklassiker.

„Der Rennverlauf ist ähnlich, da die klassischen Steckenelemente erhalten bleiben. Ich habe zudem gehört, dass die Schlussrunde weiterhin ansteigend sein soll und ich mir von daher wieder Chancen ausrechnen kann“, sagt Fabian Wegmann. Der amtierende deutsche Meister, der sich nach dem Ende des Gerolsteiner-Teams zu Saisonbeiginn dem Team Milram angeschlossen hat, gehört ebenfalls zu jenen Fahrern, die sich berechtigte Hoffnungen auf einen Sieg machen dürfen. Der semmelblonde Westfale ist davon überzeugt, dass auch in diesem Jahr zahllose Radsportfans die Strecke säumen werden: „Es wird nicht so wichtig sein, an welchem Ort sich die Zuschauer für das Finale einfinden müssen. Das Rennen hat mit seinem festen Termin am 1. Mai eine große Tradition im Rhein-Main-Gebiet und wird sicher auch mit neuem Namen und neuem Ziel von den Radsportfans angenommen. Schließlich wissen die Veranstalter schon seit langem, wie man ein gutes Rennen organisiert. Ich freue mich sehr auf den ‚Eschborn-Frankfurt City Loop’, er ist für mich schon seit Kindertagen ein großes Rennen.“

Das gilt auch für Patrik Sinkewitz, der nach Ablauf seiner Dopingsperre ganz besonders darauf brennt, mit seinem neuen tschechischen Team PSK Whirlpool unweit seiner Heimatstadt Künzell bei Fulda an den Start zu gehen. „Der 1. Mai ist und bleibt für mich ein Höhepunkt der Saison“, sagt Sinkewitz. Der Hesse hatte sich 2007 in die Siegerliste bei „Rund um den Henninger-Turm“ eingetragen, war am 8. Juni 2007 bei einer Trainingskontrolle in den Pyrenäen aber positiv auf Testosteron getestet worden. Der frühere Deutschland-Tour-Sieger profitierte von der Kronzeugenregelung und wurde nur für ein Jahr gesperrt. „Ich habe für meinen Fehler bezahlt, meine Strafe verbüßt. Jetzt will ich nur noch nach vorne schauen und meine Karriere ein zweites Mal starten.“ So sieht das auch Veranstalter Bernd Moos-Achenbach, der Patrik Sinkewitz diese zweite Chance geben möchte und im Sinne weiterer Doping-Aufklärung im deutschen Raum ein Zeichen setzen will: „Wenn geständige Doping-Sünder nach einer Sperre ihren Sport nicht mehr ausüben können, weil sie kein Team mehr finden oder von Veranstaltern abgelehnt werden, wird die Mauer des Schweigens nicht durchbrochen, sondern noch höher gebaut. Dies sollten wir verhindern. Wenn wir den Kampf gegen den Betrug weiter ernsthaft betreiben wollen, dürfen wir zudem rechtsstaatliche Grundsätze nicht missachten.“

Das Team PSK Whirlpool ist eines von neun Continental-Pro-Teams (zweite UCI-Kategorie) in Frankfurt. Das stärkste dürfte das neue eidgenössische Cervelo-Team mit Tour-de-France-Sieger Carlos Saeste an der Spitze sein. Der Spanier ist längst nicht der einzige namhafte Profi in der vom Hessen Jens Zemke betreuten Mannschaft. Sprinter Thor Hushovd hat sich ebenso den Schweizern angeschlossen wie etwa die beiden starken deutschen Berufsradfahrer Andreas Klier und Heinrich Haussler, der bereits drei Saisonsiege eingefahren hat. Insgesamt kommt Cervelo bereits auf sechs Saisonerfolge. Weiter haben Elk Haus, Vorarlberg (beide Österreich), Skil-Shimano, Vacansoleil (beide Niederlande), Landbouwkrediet (Belgien), Amica Chips-Knauf (San Marino) und CSF Group Navigare (Irland) gemeldet.

In Frankfurt werden aber nicht nur ProTour- und Continental-Pro-Teams um den Sieg fahren, sondern auch kleinere deutsche Mannschaften ihre Chance erhalten, die zumeist zu Beginn des Rennens für Alarm im Feld sorgen wollen. Es sind nicht selten die Profis aus den Continental-Teams (dritte UCI-Kategorie), die vom ersten Kilometer an das Feld attackieren und ihr Heil in einer frühen Flucht suchen. In diese Rollen wollen am 1. Mai beim „Eschborn-Frankfurt City Loop“ die Fahrer von Heizomat Mapei, Nutrixxion, Kuota-Indeland, LKT Team Brandenburg und FC Rheinland Pfalz/Saar Mainz schlüpfen, die das 19 Mannschaften starke Teilnehmerfeld komplettieren.

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