Vor drei Wochen noch war Harald Exner ziemlich ratlos. Der Trainer des Fußball-Verbandsligisten FC Alsbach vermochte vor dem Spiel gegen den Tabellenletzten SV Somborn die sportliche Talfahrt seines eigenen Teams kaum zu erklären. Seitdem hat seine Mannschaft aus drei Spielen sieben Punkte geholt und die Abstiegsränge damit verlassen. Auf die Frage, ob seine Spieler seitdem etwas anders gemacht hätten, antwortet Exner: „Das kann man nicht sagen. Im Prinzip war das gegen Kalbach am vergangenen Sonntag ja auch ein Grottenkick.“ Der jedoch 1:0 für Alsbach endete. Was den Trainer jedoch wurmte, war das negative Vorbild, welches sich seine Spieler ausgesucht haben: „Die ersten zwanzig Minuten lief’s gut, in diesem Zeitraum ist auch unser Tor gefallen. Aber dann haben wir uns dem schwachen Niveau der Kalbacher angepasst.“ Die Folge waren teils leichtfertig vergebene Torchancen, oft resultierend aus sinnlosen Einzelaktionen. „Wir spielen manchmal mit sieben Offensivleuten, die alle ihr eigenes Ding machen“, stellt Exner kritisch fest und fügt hinzu: „Mit der Leistung holen wir in Anspach nichts.“
Zumal der Offensivdrang bisher nur zehn Treffer einbrachte – der schechteste Wert der Liga. Der kommende Gegner SG Anspach (alle Spiele beginnen am Sonntag um 15 Uhr) ist einer von drei Aufsteigern, gegen die der FC Alsbach an den kommenden drei Wochenenden spielt. „Ich hoffe auf einen Goldenen Oktober“, sagt Exner und meint damit genügend Punkte, um sich tatsächlich von der Abstiegszone zu distanzieren. Wer den Alsbachern dabei nicht mehr zur Verfügung steht, ist Alexander Steinmetz. Der Torwart wurde zum Saisonbeginn von der DJK/SSG Darmstadt geholt und hat in Alsbach nie richtig Tritt gefasst. Da zuletzt Keeper Daniel Pavlovic den Vorzug erhielt, bat Steinmetz um Vertragsauflösung. Jene wurde Anfang der Woche im beiderseitigem Einvernehmen beschlossen.
Darmstadt98
Der SV Darmstadt 98 II empfängt die Spvgg Oberrad. Mit 19 Punkten stehen die Lilien recht gut da. „Der Kontakt zu den oberen Tabellenplätzen ist nicht unser Ziel“, antwortete Trainer Dirk Wolf auf die Frage, ob größere Ambitionen gebe. „Wir wollen bald gesichert dastehen, damit die Jungs befreit aufspielen können“, so Wolf weiter. Und da sollen drei Punkte im Heimspiel gegen Oberrad weiter helfen. Sollte seine Mannschaft mit der gleichen „Einstellung und Power“ ins Spiel gehen wie zuletzt, könne die „kleine Euphoriewelle“ (Wolf) ihren Fortgang finden. „Wir müssen den Mut haben, nach vorne zu spielen, aber auch geduldig sein“, gibt der Coach als Empfehlung. Paradox? Laut Wolf mitnichten: „Geduldig sein heißt, in manchen Situationen auch mal ruhiger zu spielen. Gerade wenn wir in Führung liegen und der Gegner eigentlich beherrscht wird, sollten wir nicht bei jedem Ballbesitz den Torabschluss suchen, sondern einfach mal den Ball halten.“
RW Darmstadt
Um etwas mehr geht es bei Rot-Weiß Darmstadt. Drei Punkte gegen den Tabellen-Vorletzten SG Dornheim sind hier Pflicht, denn schließlich wollen die Rot-Weißen im Kampf um die Tabellenspitze nichts anbrennen lassen. Ende des Monats empfangen die Rot-Weißen den derzeitigen Spitzenreiter FSV Frankfurt II, zwei Wochen später kommt Verfolger SG Bruchköbel. „Bis dahin wollen wir am FSV dranbleiben“, meint Rot-Weiß-Trainer Stephan Adam. Einen „Sieg, am besten zu Null“, wünscht sich Adam. Doch das sei nicht unproblematisch: „Dornheim ist eine defensive Mannschaft, die die Räume eng macht. Damit tun wir uns schwer. Da müssen wir einen Mittelweg zwischen Geduld und Tempofußball finden. Und immer wachsam sein.“ Schließlich hat Dornheim mit Uwe Hesse, Paolo Cucculliu oder Kevin Kienz schnelle Konterspieler in seinen Reihen. Während es jedoch bei den Dornheimern personell nicht zum Besten steht, hat Adam mit seinem Kader das bekannte Luxusproblem: Es sind viele Spieler, und alle sind auf einem guten Niveau. Samir Hasanovic, Sascha Götz, Daniel Czerny und Lucas Zinngrebe mussten am vergangenen Sonntag zum Beispiel in der zweiten Mannschaft ran. Und Stürmer Florian Funk saß auf der Ersatzbank. „Jeder kann sich empfehlen, wenn er im Training die nötigen Leistungen bringt“, so Adam.
SCV Griesheim
Die mit Sicherheit interessanteste Partie findet am Sonntag in Griesheim statt: Dort empfängt die heimische Viktoria den amtierenden Spitzenreiter FSV Frankfurt II. Jener erweist sich mit 49:15 Toren aus zwölf Spielen schon beinahe als beängstigend stark. Zuletzt distanzierten die Frankfurter das ambitionierte Team von Kickers Obertshausen deutlich mit 6:0. Kaum verwunderlich, da die „zweite“ Mannschaft des FSV immer wieder mit Spielern wie Thomas Sobotzik, Matthias Hagner, Stefan Hickl, Dennis Hillebrand, Jochen Höfler, Marc Gallego, Fikri El Haj Ali oder Aziz Bouhaddouz aufläuft, die allesamt zum Kader der Zweitliga-Mannschaft gehören. Die klare Außenseiterrolle dürfte der Viktoria gut bekommen. Defensiv haben die Griesheimer ihre großen Stärken und „kick and rush“ scheint in dieser Saison ohnehin das Konzept der Mannschaft zu sein. Ob damit allerdings die große Überraschung gelingt und dem FSV die vierte Niederlage der Saison (bisher verloren die Frankfurter drei Spiele in Auswärtsspielen) zugefügt werden kann, wird sich am Sonntag gegen 16.45 Uhr erweisen.
Michael Müller-Möscheid
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