Siegtor in der letzten Sekunde

29. MĂ€rz 2010
von Thomas Zöller

Fußball Verbandsliga: Viktoria gewinnt 2:1 gegen die SG Anspach – Matchwinner Windeck. In der Verbandsliga darf man in dieser Saison keinen Gegner unterschĂ€tzen. Das zeigte das letzte Heimspiel der Viktoria gegen das Schlusslicht aus Anspach im Taunus, wo praktisch erst in letzter Sekunde der Sieg sichergestellt werden konnte, mit dem die Griesheimer (nunmehr 54 Punkte) dem ,,TitelanwĂ€rter Nr. 1“, Rotweiß Darmstadt (57 Punkte, aber ein Spiel mehr), weiterhin hart auf den Fersen bleiben. Damit haben die Heimischen erst mal den 2. Platz mit (praktisch fĂŒnf ZĂ€hlern Vorsprung) sicher im Griff, da Seligenstadt (49) verlor und dem FCA aus Arheilgen (51) am Ende zwei ZĂ€hler abgezogen werden. Doch dieses Punktepolster könnte schon bis Ostern geschmolzen sein, wenn die Viktoria im Nachholspiel am Mittwoch beim TabellenfĂŒnften Frankfurt-Oberrad nicht gewinnt.
Das Spiel gegen das Schusslicht Anspach war alles andere als ein SelbstlĂ€ufer. FĂŒr die GĂ€ste, die den Kampf um den Klassenerhalt offensichtlich noch nicht aufgegeben hatten, war es eine der letzten Chancen. Kaum hatte die Partie begonnen, ein ,,Warnschuss“ fĂŒr die Viktoria. Ein Freistoß aus gut 20 Metern klatschte an die Querlatte. Doch danach bekam Griesheim das Spiel gut in den Griff. Vor allem im Mittelfeld setzten Martin Schwarz, Jean-Marie Starck, Heiko Dickler und Oliver Nedic die Akzente. Nach einigen nicht ganz so zwingenden Möglichkeiten nach 26 Minuten das verdiente 1:0 nach einer tollen Kombination, ausgehend von Starck, ĂŒber Bayram Caylak und Patrick Stumpf, zum völlig freigespielten Dickler, der sich die Chance natĂŒrlich nicht entgehen ließ. Damit ließ sich zunĂ€chst einmal gut wirtschaften. Schwarz, Stumpf und Caylak hĂ€tten bis zur Pause fĂŒr eine Vorentscheidung sorgen können, doch es fehlten im Abschluss die berĂŒhmten Zentimeter. Viktoria-Keeper Michael Pauer musste sich bei einem Freistoß nur einmal mĂ€chtig strecken, wie ĂŒberhaupt die GĂ€ste nur bei Standardsituationen der wieder gut stehenden Griesheimer Abwehr gefĂ€hrlich werden konnten – denn auch das unerwartete Ausgleichtor nach 78 Minuten fiel nach einem Freistoß.
Zur Pause musste Jungtalent Oli Greindl verletzt in der Kabine bleiben. FĂŒr ihn kam Kamil Kwiaton. Im zweiten Abschnitt weiter klare Feldvorteile fĂŒr die Platzherren, das 2:0 schien nur eine Frage der Zeit, zumal Anspach ab der 53. Minute nur noch mit zehn Mann spielte, weil ein Spieler wegen Schiedsrichter-Beleidigung (l.m.a.A.) die Rote Karte sah. Es war nicht leicht gegen die gutgestaffelte Abwehr der GĂ€ste, die gar keine Anstalten machten den RĂŒckstand zu egalisieren und weiter hinten drin standen. Hinzu kam Pech. Außenverteidiger Fabian Windeck, der wegen der Überzahl nun praktisch Linksaußen spielte, traf nur den Pfosten, der nach vorne geeilte Abwehrchef Andrej Prugovecki rutschte um Zentimeter an der Hereingabe und ein Gewaltschuss von Starck, den keiner gehalten hĂ€tte, rauschte ĂŒber das Tor. Dann kam es wie so oft im Fußball, der Unterlegene schafft die Überraschung. 12 Minuten vor ĂŒbersprang der 1,90-Mann Riemann bei einem Freistoß die Griesheimer Abwehr und erzielte das 1:1. Doch das Griesheimer Team gab sich damit nicht zufrieden und setzte noch einmal alles auf eine Karte. Der Schiri ließ drei Minuten nachspielen, und da passierte noch das ,,Wunder“: Youngster Starck schlug eine letzte Flanke vor das Tor. Windeck ahnte die Flugbahn des Ball und erzielte mit einem herrlichen Hechtkopfball das gefeierte Siegtor. Im Überschwang der GefĂŒhle riss sich der TorschĂŒtze das Trikot vom Körper, sah dafĂŒr die gelb-rote Karte, doch das hat keine Auswirkungen, im Amateurbereich kann man im nĂ€chsten Spiel wieder spielen.
Im Laufe einer Runde gleicht sich im Fußball halt alles wieder aus. Bei Rotweiß und beim FCA mussten die Griesheimer in letzter Sekunde noch das entscheidende Tor hinnehmen – diesmal war es umgekehrt. Auch in diesem Spiel hat das junge Viktoria-Team – von den elf Spielern der Angangsformation kommen zehn aus der eigenen Jugend – Moral bewiesen und auch das vierte Spiel nach der Winterpause gewonnen.
Es spielten: Pauer – Greindl (46. Kwiaton), Schulte, Prugovecki, Windeck – Dickler, Starck, Schwarz, Nedic (76. Carlon) – Caylak, Stumpf
Schiedsrichter: Klein (Offenbach) – sicheres Auftreten in einer nicht schwer zu leitenden Partie
Zuschauer: 120
Tore: 1:0 Dickler (26.), 1:1 Riemann (78.), 2:1 Windeck (90+3)
Tormöglichkeiten: Griesheim 11, Anspach 4
Rote Karte: Becker (A)
Gelb-Rote Karte: Windeck (G)
Gelbe Karte: Griesheim 1 (Windeck), Anspach 0.

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