Tony Martin und John Degenkolb

18. März 2013
von

zwei Freunde streiten am 1. Mai um den Sieg.

Sie geben Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt ein Gesicht: Tony Martin und John Degenkolb lächeln von den Litfaßsäulen in Rhein-Main-Gebiet, zieren das Plakat der 52. Auflage des Radsport­klassikers am 1. Mai. Zwei Identifikationsfiguren, zwei Lokalmatadoren. Zeitfahrweltmeister Tony Martin wuchs in Eschborn auf, der WM-Vierte John Degenkolb wohnt mit seiner Frau Laura seit einiger Zeit im Frankfurter Stadtteil Kalbach.

Tony Martin und John Degenkolb sind das Beste, was der deutsche Radsport zu bieten hat. Sie sind befreundet, kennen sich gut. Sie haben sogar denselben Manager: Jörg Werner. Sie sind gleichermaßen Kumpels wie Konkurrenten. Denn am 1. Mai haben beide nur ein Ziel: den Sieg. Jörg Werner sieht darin keinen Widerspruch: „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.“ Der Konkurrenzkampf im Sattel ist für die beiden deutschen Radprofis schließlich nichts Neues. Der für das niederländische Team Argos-Shimano fahrende John Degenkolb hat den deutschen Radsportklassiker vor zwei Jahren bereits gewinnen können. Tony Martin in Diensten der belgischen Equipe Omega Pharma-Quick Step war im vergangenen Jahr knapp dran, suchte trotz eines schmerzhaftes Sturzes im Vorfeld des Rennens die Flucht nach vorne und wurde kurz vor dem Ziel doch noch abgefangen. Em Ende reichte es bei seinem Heimrennen für Platz vier. „Das will ich dieses Jahr besser machen“, sagt der mittlerweile in der Schweiz lebende Olympia-Zweite im Zeitfahren. „Ein Sieg bei dem deutschen Klassiker mit dem meisten Prestige besitzt für mich einen hohen Stellenwert.“

Die Chancen für Tony Martin stehen gut. Auf der Schleife durch den Taunus wird das Feld erstmals viermal über den Mammolshainer Berg geleitet. „Hier muss ich die Entscheidung suchen“, sagt Tony Martin. John Degenkolb, fünffacher Etappensieger bei der Vuelta, weiß um Tony Martins Qualität, liebt als Klassikerspezialist selbst die harten Eintagesrennen, zu denen auch Mailand-San Remo oder die Ardennen-Klassiker zählen: „Ich werde alles dafür tun, um am Ende als Erster an der Alten Oper anzukommen.“ Das Duell der beiden Freunde verspricht Spannung.

Omega Pharma-Quick Step und Argos-Shimano führen am 1. Mai das Feld der insgesamt 23 Mannschaften an. Aus der WorldTour werden voraussichtlich neun Teams am Start in Eschborn stehen. Dazu zählen auch die belgische Mannschaft Lotto-Belisol mit Marcel Sieberg und Andre Greipel, der im Vorjahr den Sprint der Verfolger gewann und ebenfalls schon seit ein paar Jahren versucht, endlich den Klassiker Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt zu gewinnen.

Den süßen Geschmack des Sieges durfte Fabian Wegmann bereits zweimal kosten. Er gewann

2010 und 2011 das Rennen am Tag der Arbeit und ist diesmal mit dem US-Team Garmin-Sharp (mit Andreas Klier) am Start. Aus Italien hat sich die Mannschaft Cannondale mit ihrem Weltklassesprinter Peter Sagan und dem Deutschen Michel Koch angemeldet, aus Frankreich kommt Ag2R-La Mondiale (mit Julian Kern). Das dänische Team Saxo-Tinkoff, die russische Mannschaft Katusha (mit Rüdiger Selig und den sportlichen Leitern Torsten Schmidt, Uwe Peschel und Erik Zabel) sowie die niederländische Equipe Vacansoleil-DCM Pro Cycling komplettieren das Feld der WorldTour-Teams.

Wie im vergangenen Jahr wird aller Voraussicht nach wieder ein deutsches Nationalteam mit den Spitzenfahrern des BDR am Start sein. Zudem haben acht Continental Pro-Teams gemeldet. Darunter das deutsche Team NetApp-Endura (mit Markus Eichler, Roger Kluge, Ralf Matzka, Andreas Schillinger, Michael Schwarzmann, Paul Voss) und erstmals die südafrikanische Mannschaft MTN-Qhubeka. Auf sie dürfte die Konkurrenz besonders schauen, kommt das Team mit dem wieder erstarkten deutschen Sprinter Gerald Ciolek, der am Sonntag beim ersten Frühjahrsklassiker Mailand-San Remo triumphierte und natürlich auch am 1. Mai zum Kreis der Favoriten zu zählen sein wird. Bei den Südafrikanern hat übrigens ein Hesse das Sagen: Jens Zemke, in seiner aktiven Zeit mehrfacher deutscher Bergmeister aus Niedernhausen, ist sportlicher Leiter im Team von MTN-Qhubeka. Aus Frankreich hat das Team Europcar (mit Björn Thurau), aus der Schweiz IAM Cycling (mit Dominic Klemme), aus China Champion System Pro Cycling (mit Matthias Friedemann und Fabian Schnaidt), aus Belgien Accent Jobs-Wanty, Crelan-Euphony und Topsport Vlaaderen-Baloise gemeldet.

Vervollständigt wird das Feld der 23 Mannschaften durch die fünf deutschen Continental-Teams Nutrixxion Abus, NSP-Ghost, Quantec-Indeland, Stölting und rad-net Rose.

Veranstalter Bernd Moos-Achenbach ist stolz, auch in diesem Jahr ein erstklassiges Teilnehmerfeld zusammengestellt zu haben. „Die Wertigkeit unseres Radklassikers ist riesig. Das sieht man schon daran, dass es weniger Startplätze als Mannschaften gibt, die unbedingt am 1. Mai dabeisein wollten“, sagt Bernd Moos-Achenbach und fügt an. „Besonders froh bin ich, dass Tony Martin und John Degenkolb ihren Start zugesagt haben.“

Anne Müller

PfunRun

Z

Schlagwörter



Allgemein

Kategorien