âDaniel Schmoll trĂ€umt vom Profitum, der Ironman-Altersklassenweltmeister setzt sich aber eine Bedingung. 12. Oktober, Sonnenuntergang auf Hawaii, stimmungsvolle AtmosphĂ€re: Bei der Zeremonie einen Tag nach der Ironman-WM stand Daniel Schmoll ganz oben auf dem Podest, als Sieger (9:09:36 Stunden) der mit etwa 300 Triathleten besetzten Altersklasse M 25-29. Im Vorjahr war er als Sechster knapp am Podest vorbei geschrammt â es werden die ersten FĂŒnf geehrt. âEs gibt keinen Pokal oder Medaillen, sondern eine WasserschĂŒssel aus Holzâ, erzĂ€hlt der Student eine Woche nach seiner RĂŒckkehr von der Pazifik-Insel. Die HolzschĂŒssel sei ein hawaiianisches Symbol fĂŒr Erfolg, âdass einem im Leben nie an etwas mangeln wirdâ.
Die Schale hat einen Ehrenplatz in Schmolls Griesheimer Wohnung erhalten. Sie markiert womöglich auch eine Wende in seiner Laufbahn hin zum Profitum. âIch hatte eigentlich die Schnauze voll. Drei Mal habe ich alles selbst finanziertâ, so der SechsundzwanzigjĂ€hrige ĂŒber die Kosten fĂŒr seine Starts auf Hawaii seit 2006. Nach seinem Erfolg ist er aber wieder angestachelt: âJetzt bin ich heiĂ.â
Als Altersklassensieger bei den Amateuren hat er 2009 automatisch ein Startrecht. Wechselt er aber zu den Profis, mĂŒsste er sich fĂŒr deren Wettkampf erst qualifizieren. âDa mĂŒsste ich schon in Frankfurt antreten. Und einen Timo Bracht oder Frank Vytrisal zu schlagen, traue ich mir noch nicht zuâ, ist Schmoll zurĂŒckhaltend. Doch sein Wunsch bleibt, den nĂ€chsten Schritt zu gehen. Zwei bis drei Jahre als Profi anzutreten, davon trĂ€umt der Triathlet vom TuS Griesheim. âAber nur, wenn ich davon leben kannâ, nennt er seine Bedingung. Derzeit fĂŒhre er GesprĂ€che mit deutschen und auslĂ€ndischen Vereinen, die ihm dies ermöglichen könnten. Sollte ein Vertrag zustande kommen, wĂŒrde Schmoll sein Sport- und Physikstudium auf Lehramt an der TU Darmstadt unterbrechen.
Seit 2002 startet der in Melsungen aufgewachsene Ausdauersportler in der Ersten Triathlon-Bundesliga, zunĂ€chst fĂŒr Bad Endbach, seit 2003 fĂŒr Griesheim. Seine sportliche Laufbahn begann Schmoll im Turnen, dann folgte Schwimmen und der Wechsel auf die Langstrecke. Die deutsche Meisterschaft vor zehn Jahren prĂ€gte den damaligen SchĂŒler: Die Mecklenburgische Seenplatte bot den 80 Startern eine Temperatur von 14 Grad. Nur vier Starter kamen ins Ziel: âIch war völlig blau gefroren und nicht in der Lage, selbststĂ€ndig aus dem Wasser zu steigenâ, erzĂ€hlt Schmoll. Auf der Medaille, die er damals erhielt, stand das Motto, das er verinnerlichte: âDie MĂŒhle dreht sich nicht vom gestrigen Winde.â
âDas bedeutet fĂŒr mich, dass ich immer weiter gehen muss. Ich kann mich nicht auf dem Training vom Vortag ausruhenâ, erklĂ€rt Schmoll. Er trainiere tĂ€glich, im Schnitt 25 Stunden pro Woche. Trotzdem hat er RĂŒckschlĂ€ge einstecken mĂŒssen. Nach seinem ersten Ironman 2003 in Florida, den er in 9:27 Stunden meisterte, âgingâs nur bergab. 2004 in Frankfurt habe ich mich in zehneinhalb Stunden durchgequĂ€ltâ. Bei seinem ersten Auftritt auf Hawaii lieĂ er sich von den anderen Sportlern verunsichern, trainierte zu heftig und landete nach den 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,195 km Laufen abgeschlagen unter ferner liefen.
Frustration kam auf, weil er im Wettkampf oft die starke Leistung aus dem Training nicht abrufen konnte. 2006 wechselte Schmoll zu TuS-Trainer Gerald Reichart, den er bereits als Landestrainer schĂ€tzen gelernt hatte. Beim Ironman 2007 in Frankfurt platzte dann der Knoten: In 8:59:54 Stunden qualifizierte sich der Triathlet fĂŒr Hawaii. âDas war der Knackpunkt.â Unter neun Stunden zu laufen, war sein Ziel. Die letzte Motivation gab Reichart: âWenn du so weitermachst, lĂ€ufst du 9:04â, habe der Coach bei Kilometer 37 gerufen. âAb da bin ich geranntâ, so Schmoll. âDanach wusste ich: es geht doch.â
RĂŒckhalt findet der Junggeselle bei seiner Familie. Die Eltern verbringen ihren Urlaub auf Hawaii, um den Sohn vor Beginn des Wettkampfs zu entlasten. âIch kann die Zeit vor dem Rennen fĂŒr mich genieĂen.â Aus der AtmosphĂ€re sauge er Motivation, und das leichte Training vor dem Wettkampf könne man höchstens als Bewegungstherapie bezeichnen: âWenn man morgens im Meer mit den Delfinen schwimmt, dann ist das nicht âtrainierenâ.â
Wichtig ist Daniel Schmoll, seine Ziele âsauberâ zu erreichen. Vor zwei Jahren habe er in einem Interview Vorbilder genannt, die heute mit Doping in Verbindung gebracht werden: Der australische Schwimmer Ian Thorpe und der ehemalige Radprofi Udo Bölts. Allein MarathonlĂ€ufer Haile Gebrselassie aus Ăthiopien bewundert Schmoll (âSeine Geschwindigkeit ist unvorstellbarâ) heute noch. Als Amateur hat er sich freiwillig einem Kontrollsystem angeschlossen, worin er genau melden muss, wann er sich wo aufhĂ€lt. âEs ist ein relativ groĂer Aufwand. Aber es gibt keine andere Möglichkeit. Ich bin froh, wenn der Kontrolleur vor der TĂŒr steht. Nur so kann ich beweisen, dass ich sauber bin.â
Martina Borusewitsch











