Darmstädter Stadtlauf: Topathleten mit einer Reihe guter Vorleistungen – Leah Malot und Patrick Kimeli wieder Favoriten. Seriensieger sind beim Stadtlauf in Darmstadt eher eine Ausnahme. Während es in der 32 Jahre langen Geschichte immerhin sieben Frauen gelang, ihren Sieg aus dem Vorjahr zu wiederholen, so schafften dies bei den Männern lediglich drei Athleten. 2010, bei der nun 33. Auflage des Laufklassikers in der Darmstädter Innenstadt, stehen die Chancen gut, dass die Sieger erstmals sogar in beiden Geschlechtern dieselben sind wie im Vorjahr. Leah Malot jedenfalls ist bei den Frauen klare Favoritin, wenn es am Dienstag um 21.15 Uhr für die schnellsten Läuferinnen auf die 5500 Meter lange Strecke durch die Fußgängerzone geht. Zum einen hat sie es als einzige Frau geschafft, bereits zweimal in zwei aufeinanderfolgenden Jahren Darmstadt siegreich zu verlassen (1997/1998 und 2008/2009), zum anderen scheint die Konkurrenz schlagbar für die 37 Jahre alte Kenianerin, die damit nach der Darmstädterin Charlotte Teske (fünf Siege zwischen 1980 und 1984) und ihrer Landsfrau Tegla Loroupe (1992 bis 1994) als dritte Frau drei Siege in Folge landen könnte. Aber Stadtlauforganisator Wilfried Raatz (Fischbachtal) rät zur Vorsicht: ,,Fate Tola aus Äthiopien ist eine richtig schnelle Frau, das wird kein Alleingang für Malot.” Tatsächlich hat die 15 Jahre jüngere Konkurrentin spätestens mit ihrem Sieg beim Paderborner Osterlauf in diesem Jahr eine Visitenkarte von Format abgegeben. Aber auch die Vorjahresdritte Caroline Chepkwony (Kenia) wird versuchen, ihrer erfahrenen Landsfrau das Leben auf den fünf Runden schwer zu machen. Wenig Konkurrenz erwächst den Afrikanerinnen aus dem Feld der Europäerinnen, wenngleich Raatz, der gemeinsam mit dem ASC Darmstadt seit Beginn der Stadtlaufgeschichte für die Hatz durch die Darmstädter Dämmerung verantwortlich zeichnet, die Zahl der Athleten aus den Läufernationen Kenia und Äthiopien reduziert hat. ,,Natürlich sind die Afrikaner das Salz in der Suppe, es soll aber nicht mehr so eine Übermacht geben, damit die Europäer auch eine Chance haben, in die Preisgeldränge zu laufen.” Denn eines ist beim Stadtlauf genauso Tradition wie die Treppenpassage vom Stadtkirchplatz hinauf zur Schulstraße: Es werden keine Antrittsgelder an Athleten gezahlt. So spekuliert Patrick Kimeli natürlich auf seinen zweiten Sieg in Folge, um mit voller Geldbörse aus Darmstadt abzureisen. Doch für den jungen Kenianer (Jahrgang 1989) wird es auf den sieben Runden über 7600 Meter etwas schwieriger als für Malot, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen. Denn Landsmann Daniel Chebii hat mit seinem zweiten Platz und 27:51 Minuten über zehn Kilometer beim Osterlauf in Paderborn bereits seine Stärke auf dem harten Innenstadtpflaster bewiesen. Hinzu kommt mit Said Azouzi der Vierte des Jahres 2008, der sich in Darmstadt also bereits bestens auskennt. Hier hat mit Vitaly Shafar mindestens ein Europäer gute Chancen, in die Phalanx der sieben Afrikaner einzubrechen. Der Ukrainer belegte 2006 den vierten Rang, als er erst im Sprint den Anschluss zur Spitze verlor. Die Suche nach europäischen Spitzenläufern gestaltete sich in diesem Jahr noch schwieriger als sie ohnehin schon ist. ,,Dadurch, dass am Wochenende die Team-Europameisterschaften stattfinden und wir mit dem Stadtlauf dieses Jahr auf einem Dienstag liegen, war das Anreiseproblem kaum zu lösen”, so Raatz. Denn durch das Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft am Mittwochabend gegen Ghana ist man heuer vom angestammten Termin einen Tag nach vorne gerutscht, und die Mannschafts-EM findet im norwegischen Bergen nicht eben ,,um die Ecke” statt. Ziemlich schnell ad acta gelegt war das Thema ,,deutsche Starter”. Nicht nur, dass auch hier die nationale Spitze in Norwegen am Start ist, die Mittel- und Langstreckenszene in Deutschland bietet derzeit einfach keine Namen, die selbst mit der zweiten oder dritten Garde der Afrikaner mithalten könnten. Die deutsche Halbmarathonmeisterin Ingalena Heuck (München), die wegen ihres Studiums Termine während der Woche nur schwer wahrnehmen kann, sowie die verletzte Cross-Spezialistin Julia Viellehner (Passau) waren zumindest bei den Frauen zwei interessante Optionen, die aber selbst in Bestform keine Chance auf eine vordere Platzierung gehabt hätten. So konzentrieren sich die Spitzenfelder ohne deutsche Beteiligung auf 13 Männer und zwölf Frauen, die allemal spannende Rennen im Jagdstil (die Männer starten nur drei Minuten nach den Frauen auf demselben Rundkurs) bieten werden. Dann stehen nicht nur die interessierten Zuschauer am Streckenrand, sondern auch über 1600 Läufer, die ab 19 Uhr von den Bambini bis zu den Senioren bereits ihre Rennen absolviert haben. So viele erwartet Raatz mindestens: ,,Die Resonanz ist jetzt schon besser als im Vorjahr, und man kann ja auch bis Dienstag noch nachmelden.”












